Bauwagenhotel mitten in der Natur

Die Sommerbaustelle reisender Tischler/innen und Zimmerer/innen

Alle Fotos: Jakob fremder Zimmerer

Das Sommergesellentreffen hat beim Schacht Axt und Kelle seit Jahrzehnten Tradition. Tradition hat es für die reisenden Gesellinnen und Gesellen, sich dort zu treffen, wo sie mit ihrem Wissen und ihrer Hände Arbeit für Kost und Logis ein gemeinnütziges Projekt unterstützen können. MAFELL stellt seit vielen Jahren für die Dauer der Sommerbaustelle Zimmereimaschinen und Elektrowerkzeugen zur Verfügung.

Bereits vor einigen Jahren wurde beim Sommergesellentreffen das Hauptgebäude der Harnbachmühle in fränkischen Hartenstein saniert und nutzbar gemacht. Nun soll innerhalb von elf Tagen 4 schmucke Bauwagen, eine Herberge der anderen Art, entstehen. Mit Enthusiasmus und handwerklichem Geschick ging es den 30 Gesellen und Gesellinnen fix von der Hand. Die Mitglieder des Vereins stellen den Innenausbau der Hotelzimmer auf Rädern fertig und bauen rollstuhlgerechte Terrassen.

Die besonderen Anforderungen an die Bauwagen seitens der Straßenverkehrsordnung stellten eine große Herausforderung dar. Die in Holzrahmenbauweise erstellten fahrbaren Hotelzimmer durften eine Größe von 5,20 x 2,54 x 2,55 m nicht überschreiten. In traditionellem Holzrahmenbau wurden die ersten Bodenplatten gezimmert. Die Rahmen für die Böden wurden mit Rauspundbrettern versehen und später, nach der Montage, mit einer 80 mm starken Holzfaserplatte gedämmt. Anschließend ging es an die Wandkonstruktion mit den Ausschnitten der Fenster und Türen.

Richten der Aufbauten: Nun stand die Aufbereitung der landwirtschaftlichen Anhänger an, die zuvor als sogenannte Strohlader genutzt wurden: Diese wurden bis auf den Rahmen zurückgebaut, Rost wurde entfernt und ein korrosionshemmender Anstrich aufgetragen.

Die Unterkonstruktionen des Bauwagenaufbaus wurden mit Gewindestangen verbunden. Die Bodenplatten wurden kraftschlüssig auf den Unterkonstruktionen verschraubt. Als nächstes standen die Montage und Dämmung der Wände an. Nachdem die Unterspannbahn und die Sparren für die Dächer befestigt waren, wurden die Konterlatten von außen an die Wände angeschossen.

Verschalen der Bauwagen: Während des Aufbaus der Wagen strich ein vierköpfiges Team die Sichtschalung aus heimischer Lärche mit einer ökologischen Grundierung. Parallel dazu fertigte ein zweites Team Eckstiele für die Wagen mit schönen Längsfräsungen zur Verzierung.

Die Verzierungen der Eckstiele wurden mit der MAFELL Oberfräse LO 65 ec erstellt.

Das Tonnendach: Eine besondere Herausforderung war die Dachkonstruktion: je Bauwagen zwölf Sparren in Bogenform mit einer Spannweite von 2,3 m . Dazu wurden die aufgetrennte Kieferbohlen in einer nahegelegenen Tischlerei abgerichtet und verleimt. Für das Ausarbeiten der gerundeten Sparren wurde anhand der Zeichnung eine Schablone erstellt. Schnell und präzise wurde Sparren um Sparren ausgesägt.

Die Ortgangbleche, Traufbleche und Rinnen wurden bei einem nahegelegenen Spengler gefertigt. Die gebogenen Ortgangbleche wurden zweiteilig ausgeführt und der Ortgang mit einem ausgeschnittenen Zinkblech überdeckt. Der Anschluss an die Traufbleche wurde nachträglich verlötet. Das Dach wurde abschließend mit einer Lkw-Plane vollflächig verklebt.

Für das Ausarbeiten der gerundeten Sparren wurde anhand der Zeichnung eine Schablone erstellt und mit der MAFELL Handbandsäge Z5 Ec ausgearbeitet.

Fenster und Türen aus Lärche: Parallel zu den Bauarbeiten auf dem Mühlenareal fertigten fünf Tischlerinnen und Tischler in einer nahegelegenen Tischlerei 16 Fenster und vier Türen aus Lärche für die Bauwagen. Besonderes Augenmerk wurde auf den barrierefreien Zugang und damit auf die Breite der Eingangstür gelegt. Liebevoll wurden die runden Fensterausschnitte der Türen mit der MAFELL Präzisionsstichsäge P1 cc ausgesägt.

Die runden Fensterausschnitte der Türen wurden mit der MAFELL Stichsäge P1 cc und dem Kreisschneideanschlag gesägt.

Über den Schacht Axt und Kelle: Der Schacht hat sich 1982 als Alternative zu den traditionellen Männerschächten (Gesellenvereinigungen) gegründet, um Frauen die Wanderschaft in einer Gesellenvereinigung zu ermöglichen, sich während der Wanderschaft in Kluft politisch aktiv zu zeigen und im Kollektiv ohne Meister Baustellen anzugehen. Außerdem ist es den Mitgliedern erlaubt, anders als in anderen Schächten, selbstbestimmt und in Gruppen zu wandern. Die Reisezeit beträgt zwei oder drei Jahre und einen Tag. Die Mitglieder tragen im Gegensatz zu den traditionellen Schächten keine Ehrbarkeit (Schlips), sondern einen Ohrring mit dem Schachtsymbol: Axt und Kelle vor aufgehender Sonne. Der Schacht ist offen für Handwerkerinnen und Handwerker der unterschiedlichsten Gewerke. Die meisten schließen sich aus dem Bauhauptgewerbe an. Beim Sommergesellentreffen wird für Kost und Logis ein gemeinnütziges Projekt unterstützt.

2018-12-07T15:40:09+00:00

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